Unsere schönen Weihnachtslieder

„Ihr Kinderlein kommet“ – die geniale Idee eines Lehrers

Gütersloh ist eine kleine, gemütliche
Stadt bei Bielefeld. Wenn sie einmal
in die Schlagzeilen kommt, dann
meistens deshalb weil der Bertels-
mann-Konzern hier seinen Haupt-
sitz hat. Schlendert man an der
Martin-Luther-Kirche vorbei durch
die Fußgängerzone, kommt man
zudem an der Bäckerei Fritzen-
kötter vorbei. Richtig, es ist das
Elternhaus des ehemaligen,
baumlangen Sprechers des
damaligen Bundeskanzlers
Helmut Kohl.

Vergeblich sucht man jedoch nach
einem kleinen Denkmal für Friedrich
Heinrich Eickhoff. Sogar Stephan
Grimm, Leiter des Stadtarchivs,
muss die Lebensdaten Eickhoffs
mühsam zusammenstellen, weil es
kein Büchlein über ihn gibt. Viel-
leicht, weil selbst viele Gütersloher
gar nicht wissen was ihm Deutsch-
land verdankt: das Weihnachtslied
„Ihr Kinderlein kommet“.

Eickhoff hat es weder komponiert
noch gedichtet - und dennoch gäbe
es das Lied ohne ihn nicht.

Ihr Kinderlein kommet - Bild läßt sich durch Klick vergrößern

Eickhoff war Lehrer an, der Gütersloher
Bürgerschule (Volksschule) und zugleich
Organist. Buchautor Walter Lenz schildert
wie Eickhoff das Lied aus der Taufe hob.
Im Winter 1829/30, so Lenz, entdeckte
Eickhoff in der „Erziehungs- und Unter-
richtslehre für Volksschullehrer“ ein Ge-
dicht des katholischen Geistlichen
Christoph von Schmidt (1768-1854).
Es begann mit den Worten „Ihr Kinder-
lein kommet...“

Verdichtet man den Text zu einem
Bild so entsteht im Geiste ein Ge-
mälde aus der Biedermeierzeit:
Ein „himmlisches Kind“ in rein-
lichen Windeln, beschienen von
einem Lichtlein. Die stolzen Eltern
betrachten lächelnd das Baby,
„redliche Hirten“ knien vor der
Krippe und über allen schweben
singende Englein. Ein herziges
Weibnachtsidyll genau nach dem
Geschmack der Zeit.

Dieser Stich zeigt Christoph von Schmidt.
  Ein Stich aus der Biedermeier-
  Zeit zeigt Christoph von Schmidt,
  den Textdichter von „Ihr Kinder-
  lein kommet...“

Wohl deshalb gefiel es Eickhoff.
Was lag näher als es von herzigen
Schulkindern zur Begeisterung der
Eltern singen zu lassen? Aber: Es
fehlte eine Melodie. Musikus Eickhoff
suchte - und fand die geniale Lösung:
Ein Frühlingslied, „Wie reizend, wie
wonnig....“, komponiert 1794 vom
Lüneburger Kapellmeister Johann
Abraham Schulz. Es passt auf den
Weihnachtstext wie eigens dafür
erdacht.

Lehrer Eickhoff übte das Lied mit
seinen Schülern ein, und so wurde
es wohl Weihnachten 1829 zum
ersten Mal gesungen.

Aber wie das so ist in Gütersloh - am
Ende kommt man an Bertelsmann
nicht vorbei. Denn Eickhoff heiratete
Anna Friederike Luise Bertelsmann,
Tochter des Buchdruckers und Ver-
lagsbuchhändlers Carl Bertelsmann.
Und der druckte das Lied 1836 in
einem Buch seines Schwiegersohns:
„Theomele - Eine Sammlung auser-
lesener christlicher Lieder und Ge-
sänge aus dem vorzüglichsten
deutschen Dichtern älterer und
neuerer Zeit.“

So wurde es in Deutschland berühmt.
Doch Eickhoff ist vergessen, sogar
in Gütersloh. Stopp - es gibt eine Eick-
hoffstraße! „Stimmt, aber die ist nach,
seinen Söhnen Hermann und Paul be-
nannt“, lautet die ernüchternde Aus-
kunft des Stadtarchivars Grimm. Ihr
Kinderlein höret: Undank ist der
Welt Lohn...“

Ulf C. Goettges
Quelle: BILD 23.12.1999

 

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letzte Aktualisierung am 2003-11-29

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