Kaiser Friedrich Ill. war ein kinder-
lieber Mann. Als er 1487 zum Reichs-
tag in Nürnberg weilte, ließ er
4000 Jungen und Mädchen auf
seine Burg kommen. Dort wurden
die kleinen Nürnberger mit beson-
deren Leckerbissen bewirtet - mit
Lebkuchen, die das kaiserliche
Konterfrei trugen. Friedrich III. ist
längst in die Geschichtsbücher
eingegangen. Lebkuchen sind
bei großen und kleinen Nasch-
katzen heute noch so begehrt
wie in alter Zeit.
Im Jahre 1409 erscheint das Wort
Lebkuchen zum ersten Mal schwarz
auf weiß in einem Haushaltsbuch
fränkischer Mönche. Doch der
genaue Ursprung des so beliebten
Lebkuchenhäuschens liegt im ge-
schichtlichen Dunkel. Manche Fach-
leute sehen ihn in mittelalterlichen
Vorstellungen vom Schlaraffenland,
wo die Häuser - und nicht allein sie
aus süßen oder deftigen Speisen
bestanden. Vielleicht hatte auch
eines Tages ein pfiffiger Lebküchner-
meister die Idee zum Häuslebau,
weil er es leid war, immer dieselben
Kuchenformen zu backen.
So richtig berühmtberüchtigt wurde
das Knusperhäuschen auf alle Fälle
durch das Märchen Hänsel und Gretel
in der Fassung der Gebrüder Jacob
und Wilhelm Grimm.
Anfang des 19. Jahrhunderts brachten
die beiden eine Geschichte zu Papier,
in der ein braves Geschwisterpaar
von den verarmten Eltern im finsteren
Wald ausgesetzt wird. Hänsel und
seine Schwester Gretel scheinen je-
doch Glück im Unglück zu haben,
denn sie geraten an ein äußerst
appetitlich aussehendes Häuschen
aus Lebkuchen und Zuckerwatte.
Sehr zum Unglück der beiden ent-
puppt sich die Hausherrin als böse
Hexe, die lieber junges Menschen-
fleisch als süße Lebkuchen verspeist.
Am Ende wendet sich aber alles zum
Guten. Seitdem gab es wohl kein
deutsches Kind mehr, das beim
Waldspaziergang nicht mit wohligem
Gruseln nach einem Pfefferkuchen-
haus Ausschau hielt.
Das Märchen könnte auf einer
wahren Begebenheit beruhen,
sagt die Historikerin Gesa Büchert.
Ein Hobbyarchäologe stieß in den
80-er Jahren bei Arbeiten im
Spessartwald nicht nur auf Knochen,
sondern auch auf eine alte Ge-
schichte: Im Jahre 1638 verkaufte
auf dem Nürnberger Hauptmarkt
eine junge Frau ihre selbst ge-
backenen Lebkuchen. Das Back-
werk war so schmackhaft, dass
sogar Fürstenhöfe und Klöster
ihre Ware zu schätzen wussten.
Ein Bäcker neidete der Leb-
küchnerin aber den Erfolg. Er
wollte in den Besitz ihrer ge-
heimen Rezepte gelangen.
Deshalb verleumdete er die
Frau als Hexe. Eines Tages
soll er mit seiner Schwester
in den Wald gegangen sein,
um die junge Frau umzubringen.
Ihre Rezepte hatte er nicht ge-
funden. Erst 400 Jahre später
tauchten Backgerät und Rezepte
auf. Sie waren in einer Kiste im
Wald vergraben.
Wer heute ein Lebkuchenhäuschen
nach Hause holt, braucht keine
Hexen zu fürchten. Fertigteile gibt
es beim Bäcker. Nach Anleitung
sind die kleinen Häuschen kinder-
leicht zu backen und mit Zucker-
guss zusammenzubauen - und viel
zu schade zum Aufessen.